EU AI Act Art. 50 — Disclosure-Pflichten im Detail, mit Frist 2. August 2026
Art. 50 EU AI Act wird ab 2. August 2026 vollziehbar. Er regelt Disclosure-Pflichten für KI-generierte Bilder, Audio, Video und Text — insbesondere Deepfakes und Inhalte zu Themen öffentlichen Interesses. Für politische Pipelines ist das die kritischste Compliance-Schicht des Jahres. Die EU-Kommission hat im Januar 2026 einen Code-of-Practice-Entwurf publiziert, der die operativen Standards detailliert.
Artikel 50 EU AI Act wird ab 2. August 2026 vollziehbar — in elf Wochen ab dem Stand dieses Artikels.[1] Er regelt Disclosure-Pflichten für KI-generierte Bilder, Audio, Video und Text — insbesondere Deepfakes und Inhalte zu Themen öffentlichen Interesses. Für politische Pipelines ist das die kritischste Compliance-Schicht des Jahres. Die EU-Kommission hat im Januar 2026 einen Code-of-Practice-Entwurf publiziert, der die operativen Standards detailliert.[2]
Was hier untersucht wird
Dieser Tiefe-2-Artikel zerlegt Art. 50 EU AI Act im Detail. Die Tiefe-1-Architektur in T1-C19 — EU AI Act 2026 hat die Verordnung-Übersicht beschrieben. Hier wird die spezifische Art.-50-Mechanik mit Blick auf den 2.8.2026-Vollzug detailliert.
Die zwei zentralen Art.-50-Pflichten
Pflicht eins: Deepfake-Disclosure. Deployer eines KI-Systems, das Bild-, Audio- oder Video-Inhalte generiert oder manipuliert, die einen Deepfake darstellen, müssen offenlegen, dass der Inhalt künstlich generiert oder manipuliert wurde.[3]
Ausnahme: bei evident künstlerischen, kreativen, satirischen, fiktionalen Werken kann die Disclosure-Pflicht in einer Form erfolgen, die den Genuss des Werks nicht beeinträchtigt.
Pflicht zwei: Text-Disclosure bei öffentlichen Themen. Deployer eines KI-Systems, das Text generiert oder manipuliert, der zur öffentlichen Information zu Themen öffentlichen Interesses publiziert wird, müssen offenlegen, dass der Text künstlich generiert oder manipuliert wurde.[3]
Ausnahme: wenn der Text einer menschlichen Review und Editorial Control unterzogen wurde, entfällt die Disclosure-Pflicht.
Provider-Pflicht: Watermarking
Zusätzlich zur Deployer-Disclosure-Pflicht haben Provider von generativen KI-Systemen eine eigene Pflicht: Outputs (Audio, Bild, Video, Text) müssen in maschinenlesbarem Format gekennzeichnet sein und als künstlich generiert detektierbar sein.[4]
Konkret: KI-Tools wie Claude, ChatGPT, Suno, Udio, Midjourney sind ab 2.8.2026 verpflichtet, ihre Outputs mit Wasserzeichen oder Metadaten zu versehen, die maschinell-detektierbar sind.
Für Mandatsträger-Pipelines, die diese Tools nutzen, heißt das: die Watermark-Schicht ist bereits im KI-Output enthalten. Die zusätzliche Deployer-Disclosure-Pflicht ist die Mandatsträger-Verantwortung.
Die Multi-Layer-Disclosure-Architektur
Der EU-Kommission-Code-of-Practice-Entwurf empfiehlt einen mehrschichtigen Ansatz:[2]
— Sichtbare Disclosure (Text-Overlay, Caption-Hinweis, “KI-generiert”-Marker). — Unsichtbare/maschinenlesbare Disclosure (Metadaten, Wasserzeichen).
Beide Schichten gemeinsam verstärken die Robustheit gegen Removal oder Manipulation. Für politische Mandatsträger-Cuts ist die sichtbare Schicht in der Praxis 2026 die wichtigere — sie ist für die Audience direkt erkennbar.
Was für Mandatsträger-Pipelines 2026 ab 2.8. konkret zu tun ist
Drei operative Pflichten.
Pflicht eins: KI-generierte Cut-Elemente sichtbar kennzeichnen. Wenn ein Cut KI-generierte Bilder (Midjourney, DALL-E), KI-generierte Audio (Suno, Udio), KI-Voice-Cloning (ElevenLabs) oder KI-generierte Video-Elemente enthält: sichtbare Kennzeichnung im Cut.
Pflicht zwei: KI-bearbeitete Captions kennzeichnen. Wenn Captions durch LLM (Claude, GPT) signifikant umformuliert wurden, ohne menschliche Editorial-Review: Disclosure-Pflicht. Wenn menschliche Review erfolgt: ausgenommen.
Pflicht drei: Pipeline-Dokumentation. Pro Cut wird dokumentiert, welche KI-Tools genutzt wurden — als Audit-Spur.
Die Bußgeld-Mechanik bei Verstößen
Art. 99 EU AI Act regelt Bußgelder. Für Disclosure-Verstöße nach Art. 50:[3]
— Bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (höhere Summe gilt) für allgemeine Verstöße.
Für individuelle Mandatsträger sind diese Summen praktisch nicht relevant — sie betreffen primär die Provider-Seite. Aber: Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube sind unter Druck, KI-Disclosure technisch zu erzwingen. Mandatsträger-Accounts, die KI-Inhalte ohne Disclosure publizieren, riskieren plattformseitige Take-Downs.
Operative Konsequenzen für die Mandatsträger-Pipeline
Drei priorisierte Empfehlungen mit Vorlauf vor 2.8.2026.
— Priorität A: KI-Inventar erstellen. Welche KI-Tools werden in der eigenen Pipeline genutzt? Welche Cuts enthalten KI-Elemente? Aufwand: vier Stunden Pipeline-Audit.
— Priorität B: Disclosure-Standard definieren. Wie wird KI-Disclosure visuell umgesetzt? Text-Overlay-Position, Wortlaut (“KI-generiert”, “AI-generated”), Plattform-Adaption. Aufwand: zwei Stunden Konzept.
— Priorität C: Editorial-Review-Routine für LLM-bearbeitete Texte. Da menschliche Review-Texte von der Disclosure-Pflicht ausgenommen sind: Workflow so aufsetzen, dass jeder LLM-Output einer menschlichen Review unterzogen wird (siehe T2-C09-05).
Empfehlungen mit Priorität
— Priorität A: KI-Inventar. — Priorität B: Disclosure-Standard. — Priorität C: Editorial-Review für LLM-Outputs.
Status-Hinweis
Stand 19.05.2026: Pre-Launch-Compliance-Review abgeschlossen. Bei konkretem Anwendungs- oder Streitfall ist die Konsultation eines spezialisierten Fachanwalts weiterhin empfohlen. Die operative Umsetzung von Art. 50 EU AI Act ab 2.8.2026 wird in der Rechtspraxis sich erst entwickeln. Vor operativen Entscheidungen ist Fachanwalt-Beratung empfohlen.
Wo das hingehört
Tiefe-1 EU AI Act 2026: T1-C19. Compliance-Audit Plenarrede: T2-A03-06. Folge: T2-C19-02 — GPAI-Modelle und Risiko-Klassifikation. KI-Caption-Generierung: T2-C09-04.
Codex AI-Automation Sektion 13.
Quellen
EU Artificial Intelligence Act, Article 50: Transparency Obligations for Providers and Deployers of Certain AI Systems, Permalink, Abruf 18.05.2026.
Europäische Kommission, Code of Practice on marking and labelling of AI-generated content, Permalink, Abruf 18.05.2026.
EU Artificial Intelligence Act, The EU AI Act’s Transparency Rules — A Practical Guide to Article 50, Permalink, Abruf 18.05.2026.
Bird & Bird, Taking the EU AI Act to Practice — Understanding the Draft Transparency Code of Practice, Permalink, Abruf 18.05.2026.
Jones Day, European Commission Publishes Draft Code of Practice on AI Labelling and Transparency, Permalink, Abruf 18.05.2026.